Krankenhauserfahrungen in Corona-Zeiten

 Ich möchte heute von meinen "Krankenhauserfahrungen in Corona-Zeiten" schreiben, von den Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Ganz vielen Menschen ergeht es im Moment so, weil durch die Pandemie Alles ganz anders geworden ist.

Meine Großmutter musste vor 3 Wochen direkt vom Hausarzt ins Krankenhaus eingeliefert werden, da sie einen Herzinfarkt erlitten hat.

Stundenlang war es nicht möglich an Informationen zu kommen,  wie es ihr geht, was Stand der Dinge ist.

Sie war 3 Tage auf der Intensivstation, in dieser Zeit konnten wir nur sehr spärlich mit ihr Kontakt halten. Ein Handy benutzt sie in ihrem Alter nicht, es wäre auf der Intensivstation sowieso verboten gewesen.

Ich war froh, wenn eine Krankenschwester bereit war, das mobile Stationstelefon meiner Oma zu bringen, damit wir ein paar Worte wechseln konnten.

Als Oma wieder auf der Normalstation war, hat es noch 2 Tage gedauert, bis sich jemand vom Personal bereit erklärt hat, ihr ein eigenes Telefon auf dem Zimmer einzurichten. Besuchen durfte sie niemand, nicht einmal die angegebene Kontaktperson. Kontakt zum behandelnden Arzt war auch nur wenig möglich, er hatte meist keine Zeit.

Und dann hat man am 13. Tag meine Oma einfach entlassen, ohne jemanden darüber zu informieren. Sie saß dann bis Abends in ihrem Zimmer und wartete. Ihr Zimmertelefon hatte man schon um 13 Uhr abgestellt, sie konnte also nicht mal selbst jemanden aus der Familie benachrichtigen. Erst als sie auf dem Stationszimmer nachgefragt hat, ob sie ihre Entlasspapiere haben könnte, wurde ein Familienmitglied benachrichtigt. Die Entlasspapiere jedoch waren noch nicht fertig, von einer Entlassung wussten die Stationsschwestern dieser Schicht dann nicht einmal etwas.

Entlassen wurde meine Oma, obwohl sie noch nicht richtig fit war und ihr Arm durch die 2malig stattfindende stundenlange Herzkathederuntersuchung komplett dunkel bis schwarz war.

Ich für meine Person habe unglaublich viel Verständnis, dass es für die Beschäftigten im Krankenhaus unter Corona-Bedingungen gerade schwer ist, ihre Arbeit zu verrichten.

Trotzdem ist man als Angehöriger hilflos, kann nicht intervenieren und hat das Gefühl, dass man keine Ahnung hat, was "hinter verschlossenen Türen" mit einem alten Menschen "angestellt" wird. Informationen fließen nur spärlich, wenn überhaupt. 

In meiner Tätigkeit als Trauerbegleiterin habe ich diese Gefühle von Angehörigen die letzten Monate oft mitgeteilt bekommen.

Am allerschlimmsten wird es dann, wenn der geliebte Mensch im Sterben liegt und der Kontakt nur noch 1 Menschen aus der Familie gewährt wird. Manchmal ist nicht einmal mehr unmöglich bzw. wird es nicht ermöglicht.

Bei allem Sicherheitsdenken der Kliniken halte ich dieses Vorgehen für menschenunwürdig und nicht angemessen. Vom geliebten Menschen kann man sich nur einmal verabschieden, wenn das verwehrt wird, können anhaltende Probleme in der Trauerbewältigung entstehen.

Die Gefühle, die beim Sterbenden entstehen - die bleiben wohl oft unbeachtet. 

Meine Oma hat mir berichtet, wie schlimm für sie diese 13tägige Isolation war, die ja nun noch nicht vorbei ist, weil sie mindestens für 3 Wochen in eine Reha muss, die die Patienten genauso isoliert. 


Ich hoffe sehr, dass die Kliniken in diesen Punkten ihr Handeln überdenken. Denn die Folgen werden die Beteiligten noch lange spüren.


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